Angst und Panik: wo liegt der Unterschied und wie können sie bewältigt werden?
Angst und Panik werden anfangs oft ähnlich erlebt, sie unterscheiden sich jedoch deutlich voneinander. Angst äußert sich in der Regel als anhaltende Anspannung und innere Sorge, während Panik plötzlich und mit hoher Intensität auftritt — begleitet von Gefühlen der Furcht und körperlichen Symptomen, die alarmierend wirken können.
In der therapeutischen Arbeit ist das Verständnis dieser Unterschiede grundlegend, da es uns hilft, den passenden Behandlungsansatz zu wählen. Im Detail:
Angst manifestiert sich in der Regel als anhaltender Zustand von Sorge, Anspannung und mentaler Überlastung. Die betroffene Person lebt häufig mit wiederkehrenden Gedanken über die Zukunft, Verantwortlichkeiten, negative Szenarien oder dem Gefühl, alles unter Kontrolle haben zu müssen. In vielen Fällen beschreiben Klienten dies als eine innere Erschöpfung, die sie den ganzen Tag begleitet.
Panik tritt plötzlich auf, mit hoher Intensität und starken körperlichen Symptomen. Ich hatte Klienten, die während einer Panikattacke dachten, sie würden etwas Ernstes mit ihrem Herzen erleiden — der Herzschlag wird sehr schnell, die Atmung verengt sich und der Körper geht in Alarmbereitschaft.
Diese Unterscheidung ist in der klinischen Praxis wesentlich, da jeder therapeutische Ansatz auf die Art der emotionalen und physiologischen Reaktion der betroffenen Person zugeschnitten wird.
Wie wird Angst in der Therapie behandelt?
Eines der wichtigsten Elemente in meiner Arbeit mit Klienten ist, zunächst ein Verständnis dafür zu schaffen, was gerade geschieht. Wenn die Person versteht, dass die körperlichen Symptome eine Reaktion des Nervensystems und kein Zeichen einer echten Gefahr sind, beginnt das Angstniveau allmählich zu sinken.
Wenn ein Klient Angst erlebt, konzentriert sich die therapeutische Arbeit stark auf die Gedanken, die diesen Zustand nähren. In den Sitzungen analysieren wir gemeinsam:
- welche Gedanken am häufigsten wiederkehren
- was die emotionale Anspannung auslöst
- wie der Körper im Laufe des Tages reagiert
- welche Verhaltensweisen die Angst aufrechterhalten
In der Praxis verwende ich kognitive Techniken, um dem Klienten zu helfen, automatische Gedanken zu erkennen und sie realistischer zu betrachten. Parallel dazu arbeiten wir mit Atemübungen, körperlicher Entspannung und der Rückkehr der Aufmerksamkeit in den gegenwärtigen Moment.
Klienten lernen oft, dass nicht jeder Gedanke eine Reaktion erfordert und nicht jede Sorge bis zum Ende verfolgt werden muss.
Wie wird Panik in der Therapie behandelt?
Bei Panikattacken liegt der erste Fokus darauf, dass der Klient sich nicht vor den körperlichen Symptomen selbst fürchtet, sondern zunächst lernt, sich zu stabilisieren, wenn der Körper in Alarmbereitschaft gerät.
In der Therapie erklären wir, dass:
- der rasende Herzschlag die Reaktion des Körpers auf den Alarm ist
- Kurzatmigkeit keinen tatsächlichen Luftmangel bedeutet
- Schwindel Teil einer hohen physiologischen Anspannung ist
In der Praxis ist der erste Schritt die Wiederherstellung des Sicherheitsgefühls im Körper. Der Klient wird angeleitet, für einige Sekunden innezuhalten und sich auf den Kontakt mit der umgebenden Realität zu konzentrieren:
- die Füße fest auf den Boden zu stellen und die Unterstützung zu spüren
- den Kontakt des Körpers mit dem Stuhl oder der Oberfläche wahrzunehmen, auf der man sich befindet
- die Aufmerksamkeit langsam und kontrolliert auf die Atmung zu lenken
Dann arbeiten wir daran, dass die Person die Situation nicht sofort verlässt, sondern schrittweise mit dem Gefühl bleibt, bis sich der Körper beruhigt.
Ein sehr wichtiger Teil ist, dem Klienten das Vertrauen zurückzugeben, dass die Attacke vergeht und dass er sie durchstehen kann.
Was hilft Klienten am häufigsten?
Aus klinischer Erfahrung profitieren viele Klienten davon, einfache Techniken zu erlernen, die sie sofort anwenden können:
- die 4–4–6-Atemtechnik
- den Fokus auf den Kontakt der Füße mit dem Boden richten
- einen Gedanken beobachten, ohne gegen ihn anzukämpfen
- sich selbst erinnern: „Dieses Gefühl wird vergehen.”
Eine Botschaft an die Leser
Angst und Panik sind keine Schwächen. Sie sind die Art und Weise, wie Körper und Geist reagieren, wenn die emotionale Belastung zu groß wird. Oft ist der wichtigste Schritt, mit dieser Erfahrung nicht allein zu bleiben.
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